Sonntag, 14. November 2010

Auf der Suche nach Fußball

Es war Sommerpause und ich verbrachte meinen zweiwöchigen Urlaub auf der Kanareninsel Lanzarote. Die Geburtsinsel César Manriques war ein absoluter Kulturschock für mich, allein die Flora und Fauna der Vulkanlandschaft gaben ein ungewohntes, geradezu bizarres Bild ab. Nach der Landung in Arrecife und dem Verlassen des klimatisierten Terminals prasselten erst mal 35 Grad im Schatten auf mich. Zum Glück ändert sich das Wetter hier jeden Tag, was mich auf eine frische Brise vom Meer hoffen ließ. Die erste Woche verbrachte ich mit Entspannen und mehreren Touren durch das Landesinnere. Doch irgendwann juckte es wieder in den Fingern oder sollte ich schreiben „in den Füßen“, also wurde kurzer Hand die nette Damen an der Rezeption belästigt. Es musste doch die Möglichkeit geben, Fußball hier auf dieser Insel zu schauen. Nach minutenlanger Diskussion und 2 weiteren Gin Tonic fielen die Zauberworte „Unión Deportiva Lanzarote“. Nach einer Wegbeschreibung, welche „steigen Sie in den grünen Bus, der fährt dahin“ lautete, sollte es am darauffolgenden Tag los gehen. Um 7 Uhr wollte ich eigentlich aufstehen, doch leider endete der Abend sehr feuchtfröhlich, sodass ich erst gegen 10 Uhr aus dem Koma erwachte. Egal, schnell gefrühstückt und auf ging es zur Estación de Guaguas in Playa Blanca. Der Überlandbus tauchte erst nach einer ¾-stündigen Verspätung auf, was mich aber nicht störte, da ich mir die Zeit vertrieb, indem ich ein Gespräch mit einem illegalen Einwanderer aus Marokko begann. Die Fahrt nach Arrecife kostete mich erfreulicherweise nicht einmal 4€. Es war schon nach 12 Uhr und ein Ende meiner Busreise noch nicht in Sicht. Auf der Fahrt ging es an Weinhängen und nicht enden wollenden Zwiebelfeldern vorbei. Im Kontrast zu dieser atemberaubenden Landschaft standen unzählige Bauruinen. Hier hatte die Immobilienkrise voll zugeschlagen, dafür waren die Straßen und die Busse in einem vorbildlichen Zustand. Allerlei Schmiererei mit der Forderung nach Autonomie und Einwanderungsverboten stachen sofort ins Auge. Für mich nachvollziehbar, da 2/3 der Inselbewohner wohlhabende EU-Bürger oder illegale Einwanderer aus Afrika sind. Nach über 2 Stunden für nicht einmal 80 km (!) erreichte ich meine erste Etappe. Arrecife, die Inselhauptstadt mit knapp 60.000 Einwohnern, war nicht ganz so mein Fall. Total überlaufen und überall britische Urlauber mit käseweißer Haut, „lecker“. Nach der üblichen Suche nach Fotomotiven und der Stürmung des örtlichen EuroSpar ging es wieder zum Busterminal und der Tageshöhepunkt sollte folgen: Camp de Fútbol. Den Bus wieder für nicht einmal 4€ geentert und los ging's. Falsch gedacht, der Buslenker machte an der nächsten Haltestelle erst einmal eine Kaffeepause. 
Er war aber vorbildlich und schlürfte bei 100km/h auf der Inselautobahn seinen Coffee-to-go. So erreichte ich doch noch vor Sonnenuntergang mein Ziel. Leider ist der Teufel ein Eichhörnchen und so versagten die Akkus meines Fotoapparates. Das Stadion lag abseits der Inselhauptstadt und fügte sich in die herrliche Vulkanlandschaft ein. Mit einem Fassungsvermögen von 6.000 Zuschauern ist das Ciudad Deportiva de Lanzarote wohl eins der kleineren Stadien der Segunda División B Gruppe 2. Kein Spiel, keine Fotos von Ground, aber als eine lustige Geschichte empfinde ich meinen Versuch, Fußball auf einer Insel im Atlantik zu schauen. Auf dem Rückweg zum Hotel war mir mein Glück doch noch hold, denn im Yachthafen von Playa Blanca erstand ich noch ein Trikot von UD Lanzarote. So endete ein total verrückter Tag.Wer es noch nicht weiß: In spanischen Bussen ist das Oberkörperfreifahren verboten.


Baba (der Numider im Ausguck)
Green Bastards Chemie Leipzig

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